Mittwoch, 28. Januar 2009

1,5 Wochen nach der Diagnose

Hey Ihr,
zunächst mal möchte ich Euch herzlich zu meinem Blog begrüßen. Ich denke, daß diese Art von "Berichterstattung" sinnvoll ist, da ich so die Möglichkeit habe, Euch regelmäßig und ohne Stress, über meinen Gesundheitszustand und den Verlauf meiner Therapie zu informieren. Ihr seit alle Teil meines Lebens und ich fühle mich auf irgendeine Weise eng mit Euch verbunden und deshalb möchte ich Euch gerne Teil haben lassen an meinem Schicksal.
Heute ist es also soweit. Mein erster Eintrag seit meiner Diagnose. Ihr fragt Euch sicherlich, wie ich mich damit fühle und ich sage Euch: Ich fühle mich irgendwie ein Stück erleichtert. Ich weiß, dass das irgendwie seltsam klingt, aber seitdem ich 2005 am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt bin, hatte ich mit meinen geschwollenen Lymphknoten zu leben. Alle viertel Jahr Blutabnahme mit Lymphknotenvermessung, immer hieß es, es ist alles in Ordnung. Keine Veränderung in Größe und Anzahl. Keine Veränderung im Blutbild, im Gegenteil.
Ich musste mit diesem geschwollenen Hals leben, ob ich es wollte oder nicht und irgendwie spürte ich, dass das nicht normal sein kann. Seit über 5 Jahren habe ich aufgehört mit Rauchen. Zugegeben, habe ich es auch nie so richtig vertragen ;-) , trotzdem leide ich seit Jahren an einem chronischen Husten, trotz meiner regelmäßigen Bewegung durch mein Sportstudium. Vor einem viertel Jahr fing es dann mit Schmerzen im Halsbereich an. V.a. nach Alkoholkonsum hatte ich die für den Lymphdrüsenkrebs als typisch bekannten Alkoholschmerz im betroffenden Bereich.
All das waren Gründe für mich an der regelmäßigen Kontrolle dran zu bleiben.
Schließlich wurden neue geschwollene knoten gefunden und ich hatte das Gefühl als ob es mir körperlich schlechter ging. Ich war schlechter belastbar, müde und ausgelaugt, musste mich immer wieder motivieren morgends aus dem Bett zu kommen, trainieren zu gehen, oder nur an Vorlesungen der PH teil zu nehmen. Die zweite Operation kurz vor Weihnachten war unausweichlich und so ließ ich mir am 19.12.2008 im abulanten Operationszentrum in Esslingen meinen zweiten Lymphknoten entfernen. 3 Wochen später bekam ich zunächst eine positive Nachricht: "Glückwunsch Herr Eppinger, sie sind gesund und müssen ihre Lymphknoten nur noch alle Jahre untersuchen lassen." Ich war unendlich froh. - bis ich eine Woche später den Anruf bekam, dass meine zunächst positiven Ergebnisse revidiert werden und ich, laut einer Spezialpathologie aus Ulm nun doch an einer Unterart des Lymhdrüsenkrebses erkrankt bin.

Der Schock saß zuerst tief, trotzdem war ich irgendwie froh, endlich eine Diagnose zu haben. Endlich zu wissen, was wirklich Sache ist. Endlich zu wissen, dass all die Schmerzen, die ich einfach nicht einordnen konnte, endlich einen Ursprung hatten. Irgendwie schloss sich für mich der Kreis. Das ist glaube ich auch einer der Gründe, warum ich recht positiv mit der ganzen Sache umgehe. Ich denke, dass der positive Umgang mit dieser schwierigen Krankheit nicht nur mir etwas bringt, sondern auch meinem Umfeld, meiner Familie und meinen engsten Freunden. Stellt Euch vor ich würde gleich in eine Hysterie verfallen (danke Dustin :-x) , dann würde sich einiges ändern. "Optimismus verlängert das Leben" das ist einer der Sätze, die ich während meines Studiums gelernt habe und irgendwo steckt da eine Menge Wahrheit dahinter…
Zum Schluss möchte Ich Euch noch kurz auf den neuesten Stand bringen:
Seit meiner Diagnose befinde ich mich im so genannten "stageing": (einer Festigung der Diagnose) d.h. es ich muss etliche Ärzte abklappern, um letztendlich in einem abschleißenden Gespräch mit meinem Onkologen zu erkennen, in welchem Stadium sich der Krebs befindet und wie meine kommende Therapie aussehen wird.

Normalerweise wird Lymphdrüsenkrebs mit einer normalen Chemo- und einer Strahlentherapie behandelt. Da ich an einer Unterform diese Krebses leide, die im Übrigen als sehr gut heilbar gilt, hoffe ich, „nur“ mit einer Antikörpertherapie und einer abgeschwächten Chemotherapie behandelt zu werden.

Mittlerweile hatte ich Termine bei einem Kardiologen, (der mein Herzecho wegen der kommenden Chemo kontrollieren musste, um sicher zu gehen, dass mein Herz die kommende Therapie übersteht) einem Onkologen, (Knochenmarkpunktion, um sicher zu gehen, dass das Knochenmark nicht auch schon von mutierten Zellen befallen ist), und einem Radiologen (der eine Computertomographie von Hals-, Brust- und Bauchbereich gemacht hat um zu klären, dass keine anderen Teile des Körpers von geschwollenen Lymphknoten befallen sind.)

Alle Ergebnisse sind positiv für mich ausgefallen, d.h. es ist bislang wirklich nur mein rechter Halsbereich von kranken Zellen befallen. Es gibt weder vergrößerte Lymphknoten in der Lunge, noch eine Vergrößerung der Milz oder der Leber, was in meinem Krankheitsfall typisch wäre. Kommenden Freitag kommt noch eine Spezialuntersuchung der Lunge und am 13.02. noch eine Ultraschalluntersuchung des Halses. Die Ergebnisse gehen dann ins Referenzzentrum für Lymphome nach Köln, wo dann über eine sinnvolle Therapie für mich diskutiert wird. Ihr seht, es ist einiges los, aber alles im positiven Bereich.

Sobald es Neuigkeiten gibt, werde ich Euch darüber informieren. Soweit bis hierher.

Ich hoffe Euch ein wenig aufgeklärt zu haben und wünsche ein paar gute Tage. V.a. an meine Jungs von der PH – viel Glück und Erfolg für Eure Prüfungen, Ihr kriegt das auf jeden Fall hin. Auch den anderen natürlich alles Gute. Passt alle auf Euch auf und ich freu mich über jeden Kommentar von Euch.
Big hug,
Felix

Kommentare:

Frau Schnecke hat gesagt…

Lieber Felix.
Schön, dass ich hier jetzt immer lesen kann, wie es Dir geht und was es neues gibt. Auch wenn Buddel mich natürlich ständig informiert ist es doch schön, es von Dir zu hören! Durch Deinen Blog bin ich nun auch in England rund um die Uhr informiert...das gibt mir ein gutes Gefühl! Hab mir wirklich überlegt, hier zu bleiben und Dich und Deine Familie zu unterstützen. Aber Buddel sagt, ich soll fliegen... und ein Flug nach Hause ist schnell gebucht!
Lass es mich wissen, wenn ich Dir oder Chrisse was Gutes tun kann!
Ich hab Dich sehr lieb und denk an Dich!
Marie

Weppi hat gesagt…

Hallo Felix, Du weißt, dass ich in Gedanken ganz oft bei Dir bin, und Dir ganz viel Kraft für die kommende Zeit wünsche. Wir werden das gemeinsam durchstehen und bei Dir sein wenn Du jemanden brauchst. Es wird viel von Dir gefordert. Die ganzen Untersuchungen, die ganze Zeit des " nichts tun können" - die Zeit der Ungewissheit, das alles nagt im Kopf. Wenn ich irgend etwas helfen kann dann lass es mich wissen. Pass auf Dich auf, und werde schnell gesund. Ich hab Dich ganz arg lieb